Oberhalb der Burg Rheinstein, bei Trechtingshausen, auf einem Felsplateau, etwa 130 Meter über dem Rheinufer, liegt die Waldgaststätte „Schweizerhaus“. Um 1840 herum ließ der Prinz von Preußen das dem einstigen Zeitgeschmack entsprechende Blockhaus von Schweizer Arbeitern errichten. Seit 1823 war er Eigentümer der Burg Rheinstein, und man munkelt, er nutzte das Häuschen nicht nur für seine Gäste, sondern auch mit seinen Gespielinnen. Haus und Burg verbindet ein idyllischer naturbelassener, jedoch sehr schmaler Pfad, der in Serpentinen durch bewaldete Flur bergauf führt. Da das „Schweizerhaus“ eigentlich nur zu Fuß erreichbar ist, ist es empfehlenswert, wenn man nicht gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen möchte, das Auto an der Burg zu parken und diesen Spazierweg zu machen.

Hat man die weithin sichtbare Gaststätte erreicht, wird man von der fantastischen Aussicht auf den Rhein bis nach Bingen schier übermannt. Ein schattig unter Kastanien und Linden gelegener Biergarten lädt zum Verweilen ein und erinnerte mich, an die Taverne „Perikles“ auf „meiner“ griechischen Insel, die ursprünglich geblieben ist und in der man sich 30 Jahre zurückversetzt fühlt. Das Mobiliar in die Jahre gekommen, das Anwesen mit seinem ganzen Gerümpel etwas unaufgeräumt, die Toiletten „schlicht“, alles nicht wirklich porentief rein, und selbst der Schafsstall vor dem Tor fehlt nicht.

Wen diese Einfachheit nicht stört, wird sich wohlfühlen hier und von dem Ausblick einfach nur begeistert sein. Bedient wurden wir von der hier lebenden Familie und das überaus freundlich. Zugegeben, sie führt den rustikalen Laden etwas lockerer, stresst sich nicht wirklich, mit schnellem Bedienen, Abräumen und Saubermachen, aber irgendwie hat das Charme. Schelte für diese Lockerheit und den fehlenden Ehrgeiz gibt’s im Internet genug.

Ich habe mich nicht abhalten lassen von den schlechten Bewertungen dort einzukehren, und habe es keinesfalls bereut, dagewesen zu sein. Wörter die ich in niederschmetternden Kritiken las, wie: ekelig, heruntergekommen, ein Fall für das Ordnungsamt, absoluter Saustall, etc., kann ich nicht unterschreiben. Also, meine Empfehlung: Machen Sie sich selber ein Bild! (Täglich ab 11 Uhr geöffnet, Tel.: 06721/6122)
Der Nachmittag, den wir an diesem abgeschiedenen ruhigen Waldplätzchen mit Freunden verbrachten, war jedenfalls so schön und erholsam, dass wir spontan den Entschluss fassten, eine Woche später wiederzukommen und „Rhein in Flammen“ von hier oben aus zu erleben.

Es war eine so großartige Entscheidung: Kein Gedränge, wie am Rheinufer, die beste Aussicht auf Feuerwerk und die 50 beleuchteten Schiffe, die sich wie eine bunte Kette farbenprächtig ins Binger Loch schlängelten und den Rhein in Flammen setzten, gut gezapftes Bier, Steaks und leckere Würstchen vom Grill….ein Abend mit vielen „Ohs“, „Ahs“ , „Wows“ und Fotomotiven. Für mich ist klar, dass ich nächstes Jahr wieder zu diesem Feuerzauber Gast im „Schweizerhaus“ bin und mir diese Idylle auch an einem verschneiten Wintertag ansehen werde.

So, dies mein kurzer Beitrag im Juni. Wie schnell die Zeit vergeht, ich möchte sie festhalten und es fällt mir jedes Jahr schwerer, den vielen Frühlingsblühern in meinem Garten Adieu bis zu einem Wiedersehen im nächsten Jahr zu sagen. Die Kirschen blitzen inzwischen schon rot aus dem Blattgrün, Äpfel und Trauben werden größer und größer, in den dunkelvioletten Lavendelgebüschen summt und brummt es, Erdbeeren, Himbeeren und Johannisbeeren sind verspeist, die Natur hat ihr buntes Sommerkleid angezogen, begleitet vom starken Duft der Rosen.

Einen wunderschönen Sommer
wünscht die R(h)eingeschmeckte im Juni 2017