Heute, am letzten Augusttag, soll es also das letzte Mal mit Temperaturen über 30 Grad heiß sein und am morgigen Tag, pünktlich zum meteorologischen Herbstanfang, wird es sich um 10 Grad abkühlen. Ja, der Herbst steht in den Startlöchern: Tamaris macht Stiefelwerbung im TV, Kraniche und Wildgänse ziehen freudig kreischend und trötend voller Vorfreude auf den Süden über uns hinweg, von unseren Obstbäumen rieseln gelbe Blätter hernieder, Feigen, Äpfel und auch einige Trauben sind nahezu reif.

Demnächst jetzt also kühlere Nächte, Regen, Stürme..gut so, jetzt soll mal das Wetter alles hergeben, was der Natur gut tut, denn der Sommer hat uns doch dieses Jahr genug verwöhnt mit Sonnenschein, Hitze, blauem Himmel, lauen Nächten…viel Zeit wurde uns gegeben zum Mediterranisieren. Na, ist das ein tolles Wort? Zugegeben, war bisher nicht in meinem Wortschatz, las ich kürzlich in einer Kolumne über den Hitzesommer und dachte mir, es ist eine gute Überleitung zu meinem Beitrag:

Im Hotel „Haus Hillen“ in Bacharach ist nämlich ein Spanier eingezogen! Das Hotel hat einen neuen Besitzer, und mit der Neueröffnung, eröffnete im Untergeschoß das spanische Restaurant „Luz de Mar“. Um dort hin zu gelangen, geht’s hoch auf die Stadtmauer…Oh, wie lieb ich diesen romantischen Arkadengang, mit seinen „Terrässjer“, ein Ort, wo die Zeit stehengeblieben scheint. Ich beschreite ihn oft, denn der Autoverkehr in den engen Gassen des Städtchens nervt mit seiner Hektik, dem Lärm und Gestank. Hier oben hingegen ist es mucksmäuschenstill, ein Ort der Ruhe, nur ab und an kurz unterbrochen von einem vorbei fahrenden Zug. Hmm…ich sollte der Stadtmauer demnächst einen eigenen Artikel mit Fotos widmen, sie ist es wahrlich wert.
So, nun aber zum Thema:

Man kann jetzt also in unserer Nähe, und nicht nur im Urlaub, neben der italienischen und griechischen Küche auch die spanische genießen. Überaus gastfreundlich wird man empfangen und bewirtet, das Essen ist ausgezeichnet, der Platz zum Wohlfühlen. Das einzige, was auf der Terrasse beim Mediterranisieren stört und Spanienstimmung nicht aufkommen lässt, ist die Nähe zu den Gleisen. Es ist schon so ein ordentlicher Lärmpegel, wenn mal ein Zug vorbeirauscht, dass Gespräche kurz pausieren müssen, aber, wie zuvor schon erwähnt, mir lieber, als ununterbrochener Auto- und Motorradlärm mit Gestank von Abgasen, der den Aufenthalt in manch einer Bacharacher Außengastronomie arg beeinträchtigt.

Paella ist in spanischen Küchen der Indikator für die Qualität der Küche. Und? Nun, sie überzeugt im „Luz de Mar“. Ich jedoch kann mich immer wieder für die mediterranen Vorspeisen begeistern. Was in Griechenland Mezze ist und in Italien Antipasti, sind in Spanien Tapas. Kleine warme oder kalte Häppchen, dabei Weißbrot und einen trockenen Wein: EINFACH köstlich!!!!
Zur Entstehung spanischer Tapas gibt es einige Geschichten, von denen mich die nachfolgende überzeugte, denn wer kennt es nicht, dass an lauen Sommerabenden lästige Insekten am, um und im Weinglas nerven?

Die Wirte in Spanien kamen deshalb einst auf die glorreiche Idee, die Weingläser mit einer Scheibe Brot abzudecken und, weil es sich anbot, sie mit allerlei Schmackhaftem zu belegen. Dazu kamen dann kleine Portionen warmer und kalter Gerichte, und fertig waren die Begleiter zu den Getränken. Heutzutage haben die Leckerbissen mit den verzierten Weißbrotscheiben nichts mehr zu tun. Jetzt gibt’s vielfältige Tapas: Genusshäppchen aus gegrilltem Gemüse, Meeresgetier, geschmorten Fleischgerichten.

Hier, im „Luz de Mar“ wird für den ersten Überblick ein Tapasteller angeboten.

Zu erwähnen ist noch, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis passt:
Egal, ob für ein gutes Glas Wein mit kleinemTapas-Appetit oder großem Hunger auf Lammkoteletts, Paella, Knoblauchhuhn, einer köstlichen Dorade….. hmmmmm…

Tja, und dass derzeit Bilder einer jungen Künstlerin in den Innenräumen hängen und alsbald Platz für eine Ausstellung von ihr dort gefunden wird, macht das neue Restaurant in Bacharach nur noch charmanter. Isabel Antonio ist der Name der Berlinerin, die seit zweieinhalb Jahren Mediendesign in Mainz studiert. Die Bilder passen zum dunklen Mobiliar, das Spanienflair ausstrahlt. Die Acryl- und Gouachemalereien ziehen durch ihre Farbintensität und Lichteffekte in den Bann. Die Bilder beeindrucken und beweisen das große Talent der 23-jährigen. Wie phantasievoll sie sind, und die märchenhaften, verträumten Motive offenbaren den Wunsch, den Isabel Antonio hegt: Kinderbücher möchte sie schreiben und selbst illustrieren….
Bei dieser Kreativität habe ich keinen Zweifel, dass sie ihren Traum verwirklichen wird.

In der Saison ist das „Luz de Mar“ freitags, samstags und sonntags auch mittags geöffnet, in den Wintermonaten dann, wie im Städtchen üblich, ab 17.30 Uhr. Einen Ruhetag gibt’s derzeit noch nicht.

Würde mich freuen, wenn Sie nach Ihrem ersten Besuch begeistert sind und immer wieder gerne auf der Mauer sitzen, wie ich!

Die „R(h)eingeschmeckte“
im Hitzemonat August 2019