Pünktlich mit dem September verzog sich die Sommerhitze des Jahres aber nicht der herrliche Sonnenschein an vielen Tagen, und so konnte ich bei angenehmen kühleren Temperaturen mit den herbstlichen Gartenaufgaben beginnen. Auf den ersehnten Regen musste die Natur jedoch noch etwas warten, erst am Monatsende wurde es turbulent, als der erste Herbststurm mit voller Wucht übers Land fegte.

Also, wenn mich was begeistert, dann bleibe ich dran, und wie Sie im April und Juni auf meiner Seite erlesen konnten, sind es derzeit meine Besuche der Stadt Bad Kreuznach. Weit weg ist der Ort ja nicht von Bingen und allemal einen Ausflug wert. Entstanden ist Bad Kreuznach aus einer keltischen Siedlung, der Name verweist wohl auf Curcinus, dem Gründer des einstigen Dorfes.

Diesen Monat wanderte ich zur Kauzenburg hoch, die über den Wohnhäusern an der Nahe liegt und einen fantastischen Blick auf die Stadt, mit der im gotischen und barocken Stil erbauten Pauluskirche im Vordergrund, und das Umland bietet. Dies und der sogenannte Panoramaweg dorthin, vorbei an Weinstöcken und durch herrliche Natur, sind das, was den Besuch lohnt, die Burg selber, von der nur noch ein paar Mauerrest übrig sind, konnte mich nicht begeistern, burgenverwöhnt, wie ich nun mal von meinem Daheim mit den gut erhaltenen Burgen Klopp, Rheinstein, Reichenstein und einigen mehr, bin.

Wie die spätmittelalterliche Kauzenburg mal ausgesehen hat, ist nur einigen Schriftquellen zu entnehmen.
Eine bewegte Geschichte umgibt die Burg. Eroberer kamen aus Spanien und auch Schweden, zu ereignisreich, um alles zu erzählen, drum nur kurz, denn die Geschichtsinteressierten unter Ihnen werden es eh recherchieren.

Etwa um 1205 wurde die damals noch Burg Kreuznach genannte Festung auf einem Bergrücken zwischen dem Ellerbach im Norden und der Nahe im Südosten erbaut und gehörte zu dieser Zeit dem Grafen von Sponheim. In den Jahren 1450-1470 und im 17. Jahrhundert kamen Erweiterungen und neue Befestigungen hinzu. Tja und dann kamen französische Truppen, sprengten die Kauzenburg und brannten sie nieder. Statt ihrer erbaute der neue Besitzer, Andreas van Recum, Staatsbeamter und rheinischer Kosmopolit, in den Ruinen Wohnhäuser und setzte ein Andenken an sich mit einer ihm gehörigen Löwenstatue, die heute noch dort zu bewundern ist.
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Die Nachfahren des italienischen Einwanderers Giacomo Antonio Puricelli, eine Industriellenfamilie aus Rheinböllen und Bad Kreuznach wurden 1883 die Besitzer, abgelöst 1904 von einer Familie Stöck, von der ich aber im Internet nichts gefunden habe. 1969 kaufte das Grundstück und die Burg, in deren Fundamenten große Gewölbe und Keller erhalten blieben, Elmar Pieroth, Weinhändler und Politiker, (geb.1934 in Bad Kreuznach, gest. 2018 in Berlin).

Herr Pieroth dachte an die Belebung seiner Heimat und wollte dem Tourismus dort neue Impulse geben, Er ließ die bestehende Baumasse entfernen und beauftragte den Architekten Gottfried Böhm für einen Neubau, der in den Jahren 1970/71 durchgeführt wurde. Nun, wie soll ich das beschreiben, was da entstanden ist? Ich klaue einfach aus einem Stadtführer: „Der Architekt krönte das außen noch sichtbare Mauerwerk der Ruine Kauzenburg mit kubistischen Erkern. Er verwendete reichlich Glas, Metall und die Farbe Weinrot.“

Heute ist die Festung also ein beeindruckendes Panoramarestaurant mit einem „aussichtsreichen“ Biergarten, und im historischen Gewölbekeller wird als besonderes kulinarisches Event das Rittermahl angeboten. Ich konnte nichts davon erproben, denn bei unseren beiden Besuchen an Septemberwochenenden, standen wir vor verschlossenen Türen und einem verwaisten Biergarten, wegen auswärtiger Cateringveranstaltungen…pffff…

Mich interessierte schon, wie das bei so einem idealen Ausflugsziel passieren kann und fand in der „Rhein-Zeitung“ in einem Artikel von August 2019 die Info, dass Mike und Massimo Schneider seit Jahresbeginn mit ihrer Firma „Mike´s Catering“ Pächter der gesamten Burg sind. Das Vater-Sohn-Gespann ist von Bretzenheim mit dem erfolgreichen Cateringservice hierhin umgesiedelt und soll seitdem an Plänen feilen, die Kauzenburg zur Adresse von Feiern und Events zu machen. Na, es scheint, dass wir uns bis dahin mit der grandiosen Aussicht vom historischen Gemäuer und dem idyllischen Panoramaweg dorthin zufriedengeben müssen, was aber nicht wirklich schwer fällt.

Apropos „Panoramaweg“: Zu erreichen ist der 1 km lange neu angelegte Spazierweg hoch über den Dächern der Stadt, von der Fußgängerzone aus. Als Ausgangspunkt für den Weg hinauf empfiehlt es sich, über die Alte Nahebrücke zu gehen und dann links in die Klappergasse abzubiegen,vorbei an einem Hingucker: Blaue Schafe, von denen man mir erzählte, dass sie auf ihrer Weide tagtäglich von ihrem Schäfer anders positioniert werden. Hinab führt eine Treppe zum Nahe-Ufer.

So, das war er mal wieder, mein monatlicher Bericht. Während des Schreibens hatte ich immer wieder Bilder dieses Ausflugs im Kopf. Er war so schön!

Herbstliche Grüße von der R(h)eingeschmeckten
im gartenarbeitsreichen Monat September 2019